Freds Erinnerungen
Erinnerungen an meine Kindheit und Jugend
in der Nachkriegszeit in Köln
Wie ich schon auf der Seite "Wir über uns" erwähnte, wurde ich 1941 in Danzig geboren. Am 1. August 1945 mussten meine Mutter, meine zwei Schwestern, meine zwei Brüder und ich aus unserer Heimatstadt Danzig fliehen.Mein kleiner Bruder Wilhelm starb auf der Flucht. Ich bin mir sicher, dass er verhungerte, denn wir hatten überhaupt keine Mittel, um uns Nahrung zu kaufen. Unser Geld und fast alles, was wir besaßen, wurde uns, bevor wir aus unserer Heimatstadt ausgewiesen wurden, abgenommen.
Ich kann mich noch gut erinnern, dass jedesmal, wenn ich hungrig war, meine Mutter immer sagte: "Versuch`, etwas zu schlafen, dann geht das Hungergefühl vorüber!" Nach drei Wochen fanden wir eine vorübergehende Unterkunft in der Nähe von Schwerin. Fast in Lumpen gehüllt und ohne Geldmittel wurden wir dann weiter nach Plate verwiesen. Hier wurde uns ein Raum zur Verfügung gestellt, der uns nun als neues Heim dienen sollte.
1943: Meine Mutter mit meinen Geschwistern. Ich sitze auf dem Schoß meiner Mutter. In dieser Zeit hatten wir überhaupt keine Ahnung, wo sich unser Vater aufhielt. Wir vermuteten, dass er nach Russland verschleppt wurde oder auch vielleicht schon gefallen war. Dann Silvester 1945 erhielten wir die Nachricht, dass mein Vater sich in Rendsburg aufhielt und gesund aus der Gefangenschaft entlassen worden war. Noch ungefähr drei Wochen mussten wir in Plate bleiben und dann wurden wir mit einem Transport nach Rendsburg überführt, wo wir mit sechs Personen in einer Ein- Zimmer-Wohnung Unterkunft fanden.Leider habe ich nicht viele Erinnerungen an Rendsburg, nur daß es nicht sehr vom Krieg zerstört wurde. Ich weiß, daß mein Vater damals arbeitslos war und ich habe auch keine Ahnung, womit er unsere Familie unterhielt. Dann im Juli 1948 wurde ihm eine Stellung bei der Eisenbahn in Köln-Nippes angeboten. Auch eine private Wohnung in der Kretzerstraße in Köln-Nippes wurde uns zugestellt. Mein Vater war vor dem Krieg schon zehn Jahre lang bei der Eisenbahn in Danzig angestellt.
Am 21. Juli 1948 begann unsere Reise nach Köln. Ich glaube, wir mussten in Hamburg umsteigen und kamen im Kölner Hauptbahnhof am 22. Juli morgens an. Ich kann mich daran noch sehr gut erinnern, denn an diesem Tage hatte ich meinen siebten Geburtstag und ich war völlig erstaunt über die große, gewaltige Bahnsteighalle im Kölner Hauptbahnhof. Ich muss gestehen, dass ich noch heute von der gigantischen Halle im Kölner Hauptbahnhof überwältigt bin.
Der Kölner Hauptbahnhof Nach einigen Erkundigungen erfuhren wir den Weg zu der Kretzerstraße in Köln-Nippes. Wir verließen den Bahnhof und standen plötzlich am Bahnhofs-Vorplatz und links sah ich mit großen, erstaunten Augen das größte und höchste Gebäude, das ich je gesehen hatte. Es war natürlich der Kölner Dom, eine der schönsten, wenn nicht die schönste Kathedrale der Welt.
Doch alles andere sah nicht so schön aus, rund herum und überall sah ich Schutt und Trümmer. Es war ein sehr sonniger und heißer Tag. Meine Eltern beschlossen, zu Fuß nach Nippes zu gehen. Ich glaube, wir mußten zu Fuß gehen, da wir entweder kein Geld hatten oder die KVB noch nicht in Betrieb war. Wir hatten nur einige Taschen mit ein paar Lumpen als Gepäck und mein Vater einen großen Spiegel, den er auf seiner Schulter trug, - unser einziges Vermögen damals. Ich glaube, der Spiegel ist immer noch in unserer Familie. So starteten wir unseren Weg durch unsere neue Heimat. Zuerst durch die Dompropst-Ketzer-Straße gegenüber dem Bahnhof und dann rechts in die Marzellenstraße. Wo immer man hinsah, waren zerstörte Kirchen, Häuser und Fabriken.
Die Glockengasse Am Ende der Marzellenstraße ging es dann unter der Eisenbahnbrücke zum Eigelstein und immer wieder zerstörte Gebäude und Trümmer. Doch eines fiel mir sehr auf: Die Mitte der Straßen waren überall sauber, so als ob sie gerade sauber gefegt worden wären (Siehe Bild oben).
Auch waren die Straßen vollkommen leer von Menschen: Wir waren die einzigen Leute auf den Straßen. Für mich war das damals fast gespenstisch. Weiter ging es dann durch den Eigelsteintorbogen über den Ebertplatz in die Neusser Strasse. Die Neusser Strasse war bis zur Agneskirche ziemlich erhalten geblieben. Am Neusser Platz mussten meine Eltern sich entscheiden, ob wir links oder rechts an der Agneskirche vorbeigehen sollten. Wir hatten Glück und entschieden uns rechts für die Niehler Straße. Inzwischen waren wir alle müde und erschöpft vom vielen Gehen und der Hitze. An der Ecke Niehler Straße und Neusser Wall ruhten wir uns für eine Weile aus. Weiter ging es dann über die Innere Kanalstraße, wo die Straßenbahnlinie 12 von der Niehler Straße in die Innere Kanalstraße einbog. Ein Stückchen weiter und wieder Trümmer und zerstörte Häuser. An den Kabelwerken vorbei und nach rechts in die Xantener Straße. Die zweite Straße nach links war dann endlich die Kretzerstrasse.Die Kretzerstraße ist eine kleine Sackgasse, nicht länger als vielleicht 100 Meter. Hier waren fast alle Häuser zerstört. Unser Haus war Nummer 14. Gegenüber war die Ruine einer Schule und die Trümmer der Schule lagen bis auf die Mitte der Straße. Auch entdeckte ich unter den Trümmern ein riesigen Stahlrahmen einer Turmuhr und entschloß mich gleich, diesen Rahmen später auszugraben. Auch sah ich einige Kinder in den Schultrümmern spielen.
Nun drückte mein Vater die Klingel vom Hausmeister, der sofort die Türe aufmachte, um uns zu begrüßen. Nach einigen Formalitäten führte uns der Hausmeister zu unserer Wohnung, die eine Dachwohnung im dritten Stock war. Die Wohnung hatte einen langen und dunklen Korridor. Zur rechten Seite lag das Wohnzimmer, doch leider war es abgeschlossen, denn es hatte ein sehr großes Loch im Fußboden. Sicherlich war es von einem Bombenangriff. Links ging es zur einer Wohnküche und der nächste Raum war ein kleines Schlafzimmer. Da war noch eine sehr kleine Kammer mit einem Steinbecken und einem Kaltwasserhahn. Auch war da noch ein winziger Raum, welcher die Toilette sein sollte, doch konnte man nur ein kleines Abflussloch sehen. Es hat Wochen gedauert bis wir endlich eine Toilette installiert bekamen. Es war wirklich keine Luxuswohnung, doch wir waren alle froh, ein Dach über dem Kopf zu haben. Nun war dieser Tag der 22. Juli, mein siebter Geburtstag, und meine Mutter sagte, ein bißchen müssen wir Siegfrieds Geburtstag schon feiern. Nun muß man sich vorstellen, daß wir keine Möbel, sehr wenig zu essen und nur kaltes Leitungswasser hatten. Das einzige zum Sitzen war eine Apfelsinenkiste, auf der ich, weil es ja mein Geburtstag war, sitzen durfte.
Kinder spielen in den TrümmernWenn die Bettzeit kam, mussten wir alle auf dem Fußboden schlafen, nur mit ein paar alten Decken bedeckt. Meine Eltern schliefen in der Küche und wir Kinder im Schlafzimmer. Und als ich da auf dem Boden lag und versuchte, zu schlafen, dachte ich nicht daran, wie schlecht es mir ging. Nein ich war sehr froh, dass meine Eltern für uns eine Unterkunft gefunden hatten. Auch konnte ich es kaum abwarten bis der Morgen kam, denn ich war gespannt, wie die Kinder aus der Kretzerstraße mich empfangen würden ...
Einige Bilder aus der Nachkriegzeit in K
öln:
Köln nach dem Krieg
Der Heumarkt
Der Hohenzollernring
Die Friesenstraße
Die Hohe Straße
Die Schildergasse mit C&A
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