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Meine Jahre in Köln als Installateur-Lehrling
1956-1959Ich muss gestehen, meine Eltern hatten sich eine andere Zukunft für mich ausgedacht als Installateur zu werden. Im Februar 1953 machte ich meine Aufnahmeprüfung für das Köln-Nippeser Gymnasium in der Blücherstraße. Zwar gefiel es mir hier einigermaßen gut und ich hatte auch sonst keine Schwierigkeiten. Doch in meinem dritten Jahr, in der "Quarta", hatte ich plötzlich mehr Interesse an anderen Sachen als Latein, Biologie, Mathematik usw. So entschloss ich mich, das Gymnasium gegen eine Lehrstelle auszuwechseln. Zwar hatte ich überhaupt keine Idee, an welchem Beruf ich interessiert war und meine Eltern waren mit meiner Entscheidung, das Gymnasium zu verlassen, überhaupt nicht zufrieden. Doch nach langem Hin und Her stimmten sie damit ein, mich von dem Gymnasium zu nehmen, damit ich mir eine Arbeitsstelle suchen konnte. So Ende März 1956 machten mein Vater und ich uns auf dem Weg zum Arbeitsamt. Da Ende März für Arbeitssuche ziemich spät war und die besten Jobs schon vergeben waren, wurde mir eine Lehrstelle als Sanitär-, Gas- und Wasser-Installateur bei der Firma W. Ludwig am Clodwigplatz, Karthäuserwall, angeboten. Kurz danach, als meine Mutter erfuhr, welchen Beruf ich annahm, war sie offenbar sehr enttäuscht. Denn sie sah mich jetzt schon mit schmierigem Arbeitsanzug in unserer sauberen Wohnung.
Mein letztes Zeugnis aus der Volksschule mit Aufnahmestempel in das Nippeser Gymnasium
Blücherstraße.Zum Vergrößern
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Ende März 1956 gingen mein Vater und ich zu meinem künftigen Lehrmeister. Hier wurden wir sehr freundlich empfangen, denn der Meister war der Meinung, dass er mit mir einen guten Fang machen würde, weil ich der erste Lehrjunge war, der von einem Gymnasium zu ihm für eine Lehrstelle kam. Er meinte, dass ich mehr verantwortlich sei als die Jungen aus der Volksschule. Doch ein wenig später musste er erfahren, dass ich nicht mehr Verantwortung hatte als die anderen Lehrjungen. So wurde mein Lehrvertrag von meinen Vater, meinem neuen Meister und auch von mir unterschrieben.
Der Lehrvertrag enthielt eine 48-Stundenwoche. Erstes Lehrjahr = DM 40,00 im Monat und 15 Tage jährlichen Urlaub.~~ Zweites Lehrjahr = DM 50,00 im Monat und 15 Tage jährlichen Urlaub.~~ Drittes Lehrjahr = DM 70,00 im Monat und 12 Tage jährlichen Urlaub.~~ Für Überstunden bekamen wir im ersten Lehrjahr 40 Pfennig pro Stunde, 50 Pfennig im zweiten und 60 Pfennig im dritten Lehrjahr. Mit diesem Einkommen mussten wir unseren Wochenfahrschein, Arbeitsanzüge und noch viele anderen notwendigen Sachen bezahlen.
Bevor ich mit meinen Arbeitserfahrungen anfange, möchte ich schon gleich hier sagen, dass wir, die Lehrlinge in dieser Firma, öfters wie Sklaven behandelt und gebraucht wurden. Heutzutage würde sowas einfach nicht mehr erlaubt sein, doch damals hatte man als Lehrjunge keine Rechte. Im Allgemeinen war ich ein sehr fleißiger Lehrling, ich wurde immer von meinen Gesellen gelobt, doch nie hörte ich ein gutes Wort von Herrn W. Ludwig. Der konnte nur mäkeln. Frau Ludwig war noch schlimmer. Sie war sehr gefühllos und snobistisch. Eigentlich hatte sie keinen Grund, so snobistisch zu sein. Bevor sie "Frau Meister" wurde, war sie als Arbeiterin in der Sckokoladenfabrik "Stollwerk" beschäftigt.
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Mein erster Arbeitstag begann am Dienstag, den dritten April 1956. Natürlich war ich sehr nervös, doch nachdem der Meister mich einigen Gesellen und Lehrjungen vorgestellt hatte, bekam ich ein bisschen mehr Vertrauen. Mir wurde gesagt, dass ich in den ersten drei Monaten mit einen Gesellen auf Reparaturen gehe. Nach diesen drei Monaten sei meine Probezeit vorüber und die Firma werde sich entscheiden, ob ich eine Zukunft bei ihr als Installateur habe.
Die drei Monate gingen schnell vorbei, doch die Arbeit war schwer und sehr schmutzig. Da unsere Arbeiten meistens in privaten Wohnungen oder privaten Häuser waren, bekamen wir auch öfters Trinkgeld von den Kunden. Doch nicht immer bekamen wir Geld: Sehr oft waren es Zigaretten. Zu dieser Zeit war ich noch ein Nichtraucher, doch da ich die Zigaretten nicht immer verschenken wollte, wurde ich schon mit fünfzehn Jahren ein Raucher. 22 Jahre lang war ich dann nikotinsüchtig, bis ich dann 1977 endlich das Rauchen aufgab.
Jeden Samstag musste ich den ganzen Tag in die Werkstatt. Hier war meine Arbeit putzen, fegen, Autos waschen usw. Wenn ich damit fertig war, kam die Meisterin vorbei, um alles zu kontrollieren. Es war ihr egal, ob meine Arbeit gut oder schlecht war, sie hatte immer etwas zu beanstanden. Manchmal musste ich das Ganze noch einmal von vorne anfangen.
Humboldt-Gymnasium
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Nach drei Monate Probezeit schickte man mich auf eine Baustelle. Es war das neue Humboldt-Gymnasium am Karthäuserwall. Hier war die Arbeit sehr schwer und als Lehrjunge im ersten Jahr wurden wir von unseren Gesellen für alles gebraucht. Im Winter musste ich schon um 6.15 morgens auf der Baustelle sein, um den Ofen anzumachen, damit die Gesellen eine warme Baubude hatten. Meine Pflichten hier waren einkaufen, Laufbube spielen, Holz hacken, Mittagessen aufwärmen und noch viele andere Sachen, die nichts mit meiner Lehre zu tun hatten. Doch ich muss gestehen, dass wenn ich einem Gesellen helfen durfte, lernte ich schnell und viel.
In dieser Zeit wurde die Arbeitswoche im Baugewerbe von 48 Stunden auf 45 Stunden verkürzt. Doch nicht für uns Lehrjungen. Wir mussten weiterhin 48 Stunden arbeiten. Da die Gesellen jetzt nur 5 Arbeitstage hatten, war meine Arbeit am Samstag immer in der Werkstatt. Doch an einem Samstag musste ich ganz alleine auf der Baustelle einen großen Graben mit nur einer Schaufel ausheben. Heutzutage würde man dafür einen Bagger und zwei oder drei Arbeiter brauchen. Ich kam schon früh auf die Baustelle und fing an zu graben. Es war ein sehr kalter und windiger Tag und nach einiger Zeit fing es stark an zu regnen. Natürlich wollte ich in der Kälte nicht nass werden und suchte Schutz unter einer überdachung. Ein wenig später erschien die Meisterin, die in der Nähe wohnte und schrie wie verrückt auf mich ein, warum ich da säße und nicht arbeite. Ich erklärte ihr, dass es regnet, doch sie bestand darauf, dass ich im strömenden Regen arbeite. Dies ist nur ein kleines Beispiel, wie die Lehrjungen bei dieser Firma in dieser Zeit ausgenutzt wurden. Doch da ich als Lehrjunge im ersten Jahr mich nicht beschweren durfte, sagte ich auch nichts zu meinen Eltern. Die nächsten zwei Jahre waren etwas besser für mich und im dritten Lehrjahr war ich schon in der Lage, selbstständig zu arbeiten. Natürlich hatte ich auch gute Zeiten in meiner Lehrzeit. Mit den meisten Gesellen verstand ich mich sehr gut.
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Da dieser Bericht zu lang werden würde, möchte ich mich jetzt nicht in allen Einzelheiten über meine Lehrjahre auslassen. Eines möchte ich aber doch sagen, obwohl meine Lehrjahre sehr schwer und auch manchmal sehr grausam waren: Es hat mir in meinen späteren Berufsleben nicht geschadet. Denn eines lernte ich in meinen Lehrjahren: Man kommt nur im Leben voran, wenn man schwer arbeitet und bereit ist, von anderen zu lernen. Auch muss man, selbst wenn es sehr schwerfällt, sich manchmal so einiges gefallen lassen.
Später in meinem Arbeitsleben als Installateur war ich sehr erfolgreich und spezialisierte mich auf Installationsdesign und stattete zahlreiche Bürogebäude, Krankenhäuser und Kaufhäuser in Sydney und Brisbane aus.
Fred (Siegfried) Lehmann
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